Charlie Hebdo: Understanding is the least we owe the dead | Hari Kunzru | Comment is free | The Guardian

Auch wenn das an dem eigentlichen Thema des Blogs vorbeigeht, möchte ich diesen Beitrag aus dem Guardian zu den Charlie-Hebdo-Morden hier veröffentlich. Und ja: Ich bin Charlie.

Charlie Hebdo: Understanding is the least we owe the dead | Hari Kunzru | Comment is free | The Guardian.

Noch ein kurzer Gedanken zu dem Thema:
Vielleicht hat das Thema doch mit frühkindlicher Bildung zu tun, denn wenn man interkulturelle Bildung als allgemeine Aufgabe des Bildungssystem ernst nehmen würde, dann wäre das zumindest ein kleiner Schritt dahin, zukünftigen Attentätern die ideologische Basis ihrer Anschläge zu nehmen und die Rekrutierung weiterer Personen zu erschweren. Peter Waldmann, em. Professor für Soziologie, hat zum Thema Terrorismus schon vor Ewigkeiten ein sehr gutes Buch namens „Terrorismus. Provokation der Macht“ vorgelegt, dessen Thesen politisch und öffentlich leider viel zu wenig Beachtung finden.

Leider finde ich das Buch gerade nicht, aber er sagt über die Rekrutierung ungefähr folgendes: Der Erfolg hängt davon ab, ob die Ideologie der Terroristen glaubwürdig ist. Glaubwürdig wirkt die Ideologie, wenn sich manche ihrer Prämissen (vermeintlich) in der Realität bewahrheiten. Die Ideologie muss nicht in sich logisch sein. Das heisst, wenn Terroristen einen Anschlag begehen und das damit begründen, dass sie verfolgt und unterdrückt werden und der Staat in der Folge tatsächlich die Terroristen aber auch andere unterdrückt und verfolgt, dann wirkt die Ideologie der Terroristen glaubwürdig und es gelingt ihnen neue Anhänger zu finden. Man konnte das sehr schön auch nach dem Tod von Holger Meins (RAF) beobachten. Hier war von Seiten der RAF behauptet worden, der Staat sei ein faschistischer Mordapparat – und dann ließ der Staat tatsächlich jemand in seiner Obhut verhungern (nicht absichtlich, aber fahrlässig). Damit war die Prämisse „Staat=Mörder“ scheinbar bewiesen oder zumindest nicht mehr eindeutig falsch. Und da diese Behauptung vermeintlich richtig gewesen war, erschienen andere Thesen der RAF auch überzeugender und ihre Unterstützung sinnvoll. Terroristen versuchen Reaktionen des Gegners zu provozieren, die genau in ihre Ideologien passen, um dann zu sagen: „Seht ihr. Ich hab´s doch gesagt“. Und dummerweise fallen Staaten und Einzelpersonen regelmäßig auf diese Logik herein und bereiten damit genau den Nährboden mit, den die Terroristen brauchen um weiterzumachen.

Um zur frühkindlichen Bildung zurückzukommen: Wenn man im Bildungssystem nach dieser binären Logik “hier Christen – da Muslime“ handelt und Kultur als rein zu haltende, unveränderliche und qua Geburt festgelegte Eigenschaft eines Menschen definiert, dann bestätigt man genau die Weltsicht, die den Terroristen als Argumentationsbasis dient. [Disclaimer: Muslime sind nicht alle Islamisten und Islamisten nicht alle Terroristen.] Begäbe man sich aber (flächendeckend) aus dieser Logik heraus, dann wär das ein Schritt dahin, den Teroristen die ideologische Basis zu entziehen – und die Schule wäre außerdem ein viel angenehmerer Ort für Eltern, Schüler und Lehrer. Aber das wäre natürlich viel aufwändiger, anstrengender und schwerer zu vermitteln als: Vorratsdatenspeicherung.

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